Der erste Tag im Kindergarten: Szenen am Morgen, Tränen...

EINTRITT IN DEN KINDERGARTEN: MORGENSZENEN, WEINEN... 7 TIPPS, WIE IHR ES GEMEINSAM SCHAFFT

Euer Kindergartenkind hat seinen ersten Tag in einer völlig neuen Situation hinter sich – im Kindergarten. Aber was, wenn es nicht so verlaufen ist, wie ihr es euch vorgestellt habt? Was, wenn es so aussieht, als würde Unlust und Wut jetzt zu einem festen Bestandteil eurer Morgen? Was, wenn euch euer Kind beim Verlassen des Kindergartens nicht gehen lässt und weint, abends Bauchschmerzen hat und morgens nicht aus dem Bett aufstehen will?

Vielleicht habt ihr euch über die Sommerferien sorgfältig auf diese große Veränderung vorbereitet. Vielleicht wart ihr überzeugt, dass sich gerade euer Kind wirklich auf den Kindergarten freut und dass es bei euch kein Problem geben wird. Oder ihr wolltet einfach abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Aber was tun, wenn es bei euch noch nicht ganz rosig aussieht? Versucht zunächst, euch so gut wie möglich in euer Kind hineinzuversetzen. Ihr helft eurem Kind am meisten, indem ihr versucht, es wirklich zu verstehen. Drängt es nicht, gebt ihm Zeit, erwartet nicht sofort Ergebnisse.

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Das klingt einfach, aber manchmal ist es wirklich schwer. Es ist eine anspruchsvolle Situation nicht nur für das Kind, sondern auch für uns Eltern. Vergesst trotz all eurer eigenen Emotionen nicht, dass das Kind das nicht absichtlich macht, dass es nicht verwöhnt oder schlecht erzogen ist. Manche Kinder haben es einfach so.

Denkt daran, dass jedes Kind anders ist – eines geht vom ersten Tag an mit einem Lächeln in den Kindergarten, ein anderes braucht dafür eine Woche, wieder ein anderes sogar einen Monat oder länger. Nichts davon ist falsch. Eure Rolle besteht hauptsächlich darin, in dieser schwierigen Zeit ein Wegbegleiter für euer Kind zu sein.

Wie geht das? Es gilt das oben Genannte, in Kombination damit, wie ihr fühlt, dass es für euch beide am besten ist. Wenn ihr nicht weiterkommt, hier sind 7 Tipps, wie ihr eurem Kind bei der schwierigen Kindergarteneingewöhnung eine Stütze sein könnt. 

1. LASST EUCH NICHT VON EUREN ZWEIFELN ODER DEN BLICKEN ANDERER AUS DER RUHE BRINGEN – ES GEHT NICHT UM SIE, SONDERN UM EUCH!

Macht euch keine Vorwürfe, dass gerade euer Kind morgens im Kindergarten weint, während andere es mit einem Lächeln schaffen. Es ist kein Versagen und bedeutet nichts. Und wenn es etwas bedeutet, dann nur, dass jedes Kind anders ist. Eures ist etwas sensibler, daran ist absolut nichts falsch. Vielleicht seid auch ihr selbst sensibler und habt auch Lust zu weinen. Und auch daran ist absolut nichts falsch! (Wenn das aber so ist, empfehlen wir definitiv, eure Tränen "aufzuschieben", bis außerhalb der Sichtweite eures Kindergartenkindes...). Lasst euch einfach überhaupt nicht von den Blicken anderer Eltern aus der Ruhe bringen. Es ist völlig egal, was sie denken. Wichtig seid jetzt ihr und euer Kind.

Macht alles so, dass es euch beiden dabei gut geht. Niemand weiß besser als ihr, ob euer Kind reif für den Kindergarten ist oder nicht. Niemand kann euch vorschreiben, wie genau die ersten Tage verlaufen sollen. Es gibt keinen einzigen richtigen Weg. Verhaltet euch einfach danach, wie ihr es fühlt und welche Möglichkeiten ihr habt. Dadurch gewinnt ihr die Überzeugung, dass ihr im Rahmen eurer Möglichkeiten einfach das Beste tut. Versucht so ruhig und positiv wie möglich zu sein, auch wenn ihr in Wirklichkeit weit davon entfernt seid. Ihr werdet sehen, dass euer Kind euch das wie ein Spiegel zurückgeben wird.

 

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Versucht gleichzeitig, jeden Morgen und den Weg zum Kindergarten so angenehm wie möglich zu gestalten. Geht nicht auf den letzten Drücker zum Kindergarten und wenn ihr im Kindergarten ankommt, startet bereits mit eurem Abschiedsritual. (Mehr darüber findet ihr im vorherigen Artikel). Ich weiß, es ist schwer, aber versucht, den Abschied im Kindergarten nicht unnötig zu verlängern. Versucht aber gleichzeitig niemals, ihn zu vermeiden, und versucht nicht, euch unauffällig davonzuschleichen. Manchmal mag das als die einfachste Lösung erscheinen, aber versucht euch vorzustellen, wie ihr euch fühlen würdet, wenn die Person, der ihr am meisten auf der Welt vertraut, dasselbe mit euch machen würde...

2. PASST EUCH DER SITUATION AN, LASST EUER KIND NICHT ALLEIN DAMIT UND SUCHT NACH LÖSUNGEN.

Erkundigt euch im Kindergarten, wie sich euer Kind nach eurem Weggang und auch während des Tages im Kindergarten verhält. Das wird euch sagen, wie "ernst" die Situation tatsächlich ist. Weint euer Kind lange oder beruhigt es sich nach einer Weile? Beteiligt es sich an Spielen mit anderen oder verbringt es Zeit allein? Ist es gesprächig oder still? Bringen es andere spezifische Dinge während des Tages zum Weinen? Isst es oder rührt es das Essen gar nicht an?

Versucht dann entsprechend dieser Informationen eure Situation anzupassen und nach Lösungen zu suchen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wenn das Kind schon wenige Minuten nach eurem Weggang fröhlich und zufrieden ist, es hauptsächlich um Gewöhnung geht. Wenn es nicht so ist, wird das Kind wahrscheinlich etwas mehr Hilfe brauchen.

 

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Ich empfehle auch sehr einen einfachen (aber so kraftvollen!) "Trick" – fragt einfach euer Kind, was ihm helfen würde. Vielleicht muss euer Kind euch vor dem Gang in den Gruppenraum länger umarmen. Dann nehmt euch dafür Zeit und macht es. Vielleicht würde es eurem Kind helfen, sein Lieblingskuscheltier mit in den Kindergarten zu nehmen. Dann besprecht es mit der Erzieherin und gebt es ihm.

Wenn diesem unglücklichen kleinen Bündel nichts einfällt (Also außer - nie wieder in den Kindergarten gehen... :)), dann versucht gemeinsam etwas auszudenken. Bei uns half auch eine unauffällige Kleinigkeit. Jeden Tag habe ich den Kindern ein kleines Bild auf die Hand gemalt und mir dazu eine kurze Geschichte ausgedacht. Mal ein Herz (das zeigt, wie sehr ich sie liebe), mal ein Autöchen (mit dem wir nachmittags einen Ausflug machen), ein anderes Mal einen Schmetterling (den wir nach dem Kindergarten gemeinsam auf der Wiese jagen werden)... und dasselbe Bild habe ich mir auch gemalt. Wir haben uns geeinigt, dass wenn einem von uns traurig ist, wir das Bild drücken und uns eine Umarmung schicken... Das, in Kombination mit unserem Kalender, der Kindern die wichtigste Frage beantwortet - "wie oft und wann werden sie im Kindergarten sein", half am meisten. Es ist nicht immer nötig, das Kind sofort zu trösten oder zu beruhigen, stattdessen könnt ihr irgendwie gemeinsam darin sein.

 

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3. SCHEUT EUCH NICHT, IM KINDERGARTEN GENAU DAS ZU VEREINBAREN, WAS EUER KIND BRAUCHT.

Wenn die Situation ernster ist, wenn das Kind auch während des Tages traurig ist, wenn es sich weigert zu spielen, zu essen, dann übergeht das auf keinen Fall und versucht eine Lösung zu finden. Sprecht mit der Erzieherin oder Leiterin über Möglichkeiten, die gerade eurem Kind helfen würden. Auch wenn es irgendwo ein Problem sein kann, gibt es immer noch mehr, die euch entgegenkommen. Und selbst wenn es ein Problem ist, gebt nicht nach der ersten Ablehnung auf! Sucht nach einer Lösung, die sowohl für euch als auch für die Kindergartenleitung machbar ist.

Vielleicht könntet ihr anfangs etwas Zeit gemeinsam mit eurem Kind im Gruppenraum verbringen, anderswo könntet ihr euer Kind anfangs nur nach zwei Stunden abholen oder nur am Nachmittag kommen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass euch so etwas helfen könnte, scheut euch nicht, euch in eurem Kindergarten zu melden.

 

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Wenn es eure Situation erlaubt und ihr das Gefühl habt, dass es hilft, holt euer Kind in den ersten Wochen gleich nach dem Mittagessen im Kindergarten ab. Es ist wirklich sehr schwer, den ganzen Tag allein in einer völlig unbekannten Umgebung zu sein. Erinnert euch nur daran, wie lang euch manchmal die Tage erschienen, als ihr klein wart. Die schrittweise Eingewöhnung an den Kindergarten ist für die meisten Kinder wirklich viel einfacher.

4. HELFT EUREM KIND ZU VERSTEHEN, WAS WANN PASSIEREN WIRD. LASST ES NICHT IN DER ANGST, OB ES FÜR IMMER IM KINDERGARTEN BLEIBEN MUSS.

Hinter dem morgendlichen Weinen der Kinder im Kindergarten steckt oft einfach nur, dass das Kind nicht weiß, was passieren wird oder wie lange es dauern wird, dass es großes Chaos und Unsicherheit erlebt. Kinder lieben Ordnung und Regelmäßigkeit. Das gibt ihnen Ruhe. Und der Kindergarten dreht plötzlich alles komplett um. Macht den Kindern klar, wann was passieren wird. Lasst euer Kind nicht in der Angst, ob es für immer im Kindergarten bleiben muss.

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Genau aus diesem Grund entstand auch unser allererster Kalender. Um meinem ältesten Sohn Kubík zu helfen, sich im Chaos der Kindergartentage nicht zu verlieren. Damit er versteht, was wann passieren wird, und dass er sich auf die Dinge verlassen kann, auf die wir uns einigen und die wir im Kalender markieren. Und vor allem, dass ich ihn damit nicht allein lasse! Unsere gemeinsame Planung am Kalender half Kubík allmählich vorherzusehen. Dadurch fand er langsam Antworten auf Fragen wie: Wie lange werde ich im Kindergarten sein? Wann holst du mich ab? Wann bin ich wieder mit euch zu Hause? Warum muss ich nach dem Wochenende wieder in den Kindergarten? Indem er genau sah, was passieren würde, gewann er Sicherheit. Indem er alle Pläne ständig vor Augen hatte, fand er allmählich die verlorene Ordnung wieder. Das Weinen verschwand nicht wie durch Zauberei. Aber jeden Abend und Morgen beim Gespräch am Kalender lösten wir gemeinsam langsam unsere Zweifel auf.
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Es ist völlig egal, ob ihr unseren Kalender, Wochenplan nehmt oder gemeinsam euren eigenen erstellt. Wichtig ist, dass ihr eurem Kind helft zu verstehen, was wann passieren wird. Dank des Kalenders wird euer kleines Kindergartenkind ständig vor Augen haben, was es wann erwartet. Es wird sehen, wie oft es noch in den Kindergarten geht, wer es abholt oder was danach auf es wartet.

 

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Das ermöglicht es euch außerdem, in der Situation der schwierigen Kindergarteneingewöhnung mit der Motivation eures Kindes zu arbeiten. Ich empfehle absolut nicht, euer Kind mit Süßigkeiten oder kleinen Geschenken zu motivieren – obwohl mir klar ist, dass auch diese Form manchen Kindern helfen kann, die Kriseneingewöhnungszeit zu überbrücken. Für mich gilt aber – es ist viel besser, das Kind mit gemeinsamen Erlebnissen zu motivieren. (Was aber nicht bedeutet, dass ich als Mama von 3 Kindern noch nie Eis versprochen habe... :))

Versprecht euch und markiert im Kalender alles, was ihr nachmittags nach dem Kindergarten gemeinsam unternehmen werdet. Plant Dinge, die euer Kind mag und auf die es sich freuen wird (Schwimmen, Spaziergang durch die Stadt, Spielplatz, Oma...). Aber hier gilt – versucht nur das zu planen, was ihr dann auch erfüllen könnt.

5. MACHT DEN KINDERGARTEN VOR EUREM KIND NICHT SCHLECHT, SPRECHT POSITIV DARÜBER!

Wenn der Eintritt in den Kindergarten nicht gerade rosig verläuft, wenn der Kindergarten für das Kind noch zu neu ist, wenn es Zweifel daran hat, sieht das Kind alles in einem viel schlechteren Licht, als es wirklich ist. Unterstützt euer Kind nicht in einer negativen Sicht auf den Kindergarten. Versucht Sätze zu vermeiden wie "Keine Sorge, ich hole dich so schnell wie möglich ab" oder "Ich habe auch keine Lust auf Arbeit, aber ich muss." Vermeidet Ausdrücke, die dem Kind die Überzeugung verstärken, dass der Kindergarten eine unangenehme Angelegenheit ist, die durchgestanden werden muss.

Versucht im Gegenteil, die positive Wahrnehmung des Kindergartens zu betonen. Konzentriert euch auf das, was gerade euer Kind am meisten schätzen wird – seien es konkrete Freunde, gutes Essen, ein toller Spielplatz oder das Singen von Liedern.

6. ERKLÄRT, DANN ERKLÄRT ES NOCHMAL UND RUHIG IMMER WIEDER...

Wiederholung ist die Mutter der Weisheit – das ist nicht nur eine Floskel, viele Eltern werden euch diesen Satz gerne unterschreiben. Tatsache ist, dass viele Dinge, die für uns völlig selbstverständlich sind, für Kinder überhaupt nicht klar sein müssen.

Warum muss ein Kind anfangen, in den Kindergarten zu gehen? Was wird dort gemacht? Warum kann es nicht bei euch zu Hause bleiben? Was, wenn ihr es manchmal vergesst und nicht abholt? Wann wird es wieder zu Hause sein? Diese Fragen mögen euch albern erscheinen, sie nerven euch vielleicht regelrecht, wenn ihr sie immer wieder hört. Es sind aber Dinge, die mit dem Kind immer wieder besprochen, erklärt und wiederholt werden müssen. Auf dem Weg zum Kindergarten, abends vor dem Schlafengehen, bei der Planung, einfach immer wenn das Kind es braucht.

7. VERTRAUEN MUSS IN BEIDE RICHTUNGEN FUNKTIONIEREN – VERTRAUT EUREM KIND UND VERHALTET EUCH SO, DASS EUER KIND EUCH VERTRAUEN KANN.

Vielleicht wisst ihr schon aus unseren vorherigen Artikeln, wie wichtig es ist, eurem Kind zu vertrauen. Dass es sich nicht auszahlt, ihm alle seine Wege perfekt zu ebnen, dass es viel besser ist, ihm Verantwortung zu übergeben und ihm einfach zu vertrauen, dass es das alleine schafft. Nun, es hat auch die andere Seite der Medaille.

 

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Vertrauen zwischen euch und eurem Kind muss gegenseitig sein. Das Kind muss wissen, dass was Eltern versprechen, auch erfüllen, dass Vereinbarungen gelten. Dass es im Kindergarten keine Angst haben muss, dass es nicht zweifeln muss, ob ihr zurückkommt. Bei schwierigerer Kindergarteneingewöhnung gilt das mehr als je zuvor. Lügt euer Kind nicht an und haltet Vereinbarungen ein. Bedingungslos.

Momente, die nicht einfach sind, sind genau die, die uns am meisten voranbringen. Und auch wenn es eurem Kind anfangs im Kindergarten nicht leicht fällt, hat es euch. Und ihr werdet es halten. Mit einem sensiblen Ansatz und Respekt für das Kind werdet ihr es auf jeden Fall schaffen. Das Kind als Hauptakteur und ihr als seine Wegbegleiter. Wenn in Zukunft eine weitere große Herausforderung vor eurem Kind steht, kann es aus dieser Erfahrung Kraft schöpfen. Außerdem wird es tief im Inneren wissen, dass seine Eltern es damit nicht allein lassen, dass es sich auf sie wirklich verlassen kann. Ihr packt ihm so das Wichtigste mit in die Welt, was ihr ihm in diesem Moment geben könnt. Ich drücke euch ganz fest die Daumen!

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Wollt ihr eurem Kindergartenkind helfen zu verstehen, wann was passieren wird? Dann würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mit der Planung gerade auf unserem Kalender oder Wochenplan beginnt. Alle Magnete sind handgefertigt. Dadurch sind sie praktisch unzerstörbar und können so euer Kind den ganzen Kindergarten begleiten und mit kleineren Änderungen vielleicht sogar die Schule. :)
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